30. Oktober 2013, Hannover

(R)Evolution im Wärmemarkt - Mit Contracting die energetische Modernisierung vorantreiben

Der Wärmemarkt steht für gut die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland und somit zugleich für Energieeinspar- und CO2-Vermeidungspotenziale. Diese für mehr Klimaschutz zu nutzen, war das Thema des 11. Effizienzdialogs „Mit Contracting die energetische Modernisierung vorantreiben“ der ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e. V. in Kooperation mit Zukunft ERDGAS e. V. am 30. Oktober 2013 in der IHK Hannover.

Die bundesweite Veranstaltungsreihe „Effizienzdialog“ bringt seit 2009 führende Köpfe aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Technik zusammen, um die Chancen, Vorteile und Bedingungen für ressourcenschonende Technologien und die zukünftige Ausrichtung der Energiepolitik zu diskutieren. Auch in Hannover trafen sich dazu Akteure aus der Landespolitik, Verbänden und Unternehmen. Neben dem Diskurs energiepolitischer Fragestellungen bietet der Effizienzdialog auch immer das Gespräch mit Herstellern und Dienstleistern in einer begleitenden Ausstellung.

Steigende Stromkosten und Warmmieten stehen ganz oben auf der Themenliste der Energiewende. Dem stehen „bedeutende Potenziale zur CO2 -Vermeidung, gerade in Bestandsbauten gegenüber“, führt Dr. Gerd Rappenecker, Vorstand der Stadtwerke Göttingen in den ASUE-Effizienzdialog ein. Wenn es dann um die konkrete Sanierungsplanung geht, stellt sich die Frage nach dem richtigen Weg. Leider sehen sich Gebäudeeigentümer bzw. Investoren dann komplizierten und zum Teil unübersichtlichen Vorschriften und Förderangeboten gegenübergestellt, so seine Analyse.

Wenn es die Bedingungen vor Ort ermöglichen, ist die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) geboten, weil die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom eine höchst effiziente Energienutzung ermöglicht. Insbesondere Wohn- und Geschäftsgebäude mit einem erhöhten Wärmebedarf eigenen sich für diese wirtschaftliche und ökologische Lösung. Hier sieht Michael G. Feist, Vorstandssprecher der Stadtwerke Hannover AG (enercity) große Chancen für die Stadtwerke, mit Contractingangeboten zur Verbesserung der Energieeffizienz beizutragen.

Insbesondere professionelle Energiedienstleister, die mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind, können den Gebäudeeigentümer entlasten: die Auswahl der passenden Technologie, Planung, Inbetriebnahmen und Behördengänge im Vorfeld und der Betrieb der Anlage liegen damit in einer Hand.

Energetische Modernisierung in Niedersachsen forcieren

Als Windenergieerzeuger ist Niedersachsen bereits Nummer 1 in Deutschland, nun sei es an der Politik intensiver über Sanierungsverfahren, effiziente Wärmeversorgung und Energiedienstleistungen zu informieren. Die energetische Modernisierung soll deutlich im Landeswohnraumförderprogramm verankert werden, um auch im Gebäudebestand die Energieeffizienzpotenziale schnell und gezielt zu heben, beschreibt Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr eine Zielsetzung der Landespolitik.

Die Podiumsdiskussion verdeutlicht die Kernproblematik der aktuellen politischen Debatte: Die Ungleichbehandlungen, nach der Contractoren im Gegensatz zu Eigentümern beim Betrieb eines BHKW höhere Abgaben tragen und nicht das Eigenstromprivileg beanspruchen dürfen, behindern dienstleistungsbasierte Modernisierungen.

Moderne Dienstleistungen für mehr Energieeffizienz nutzen

Dabei traut auch Volker Bajus MdL, energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag, dem Contracting viel Potenzial zu. „Die Politik hat die Aufgabe, Contracting zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerungen im Wohnungsmarkt mit den eigenen Investitionen gleichzustellen und zu fördern“, sagt Bajus.

Dass das Mietrechtsänderungsgesetz, die sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Hauseigentümern und Dienstleistern noch erschwert, will Axel Miesner MdL, energiepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, zum Anlass nehmen, genau nachzufassen und sich für faire Regeln einzusetzen. Dazu will er mit den heutigen Gesprächspartnern in Kontakt bleiben.

Die Debatte – auch mit Beteiligung des Publikums – zeigt, dass für Gebäudeeigentümer individuell ausgelegte Versorgungskonzepte kompetent und verantwortlich umgesetzt werden können. Mit Contractingpartnern lassen sich demzufolge effiziente KWK-Lösungen inklusive der fachmännischen Betreuung der Anlage erfolgreich realisieren. Gleichzeitig ist die KWK hervorragend geeignet, erneuerbare Energieträger wie Bio-Erdgas zu nutzen.  In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sollte auch die Politik offen sein für Dienstleistungen und moderne Technologien, wenn sie es mit der Energieeffizienz ernst meint. Mit Hilfe des Contracting lässt sich durch die Modernisierung der Heizungsanlagen schnell mehr Klimaschutz bei insgesamt günstigen CO2-Vermeidungskosten erreichen. 

 

 

Die ASUE  – Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. fördert die Entwicklung und Verbreitung sparsamer und umweltschonender Technologien auf Erdgasbasis. Sie ist kompetenter Ansprechpartner und Ratgeber für Politik, Verwaltung und Unter-nehmen, sowie für Planer, Fachbetriebe, Energieversorger und Gebäudeeigentümer. In sechs ständigen Arbeitskreisen  –  Brennstoffzellen/Blockheizkraftwerke, Energie & Umwelt, Gasturbinentechnik, Innovation und neue Produkte, Gaswärmepumpe und Kältetechnik, innovative Energieanwendungen – diskutieren und kommentieren Experten aus den Mitgliedsunternehmen die aktuellen technologischen und rechtlichen Entwicklungen. Mit Stellungnahmen, Publikationen und Veranstaltungen leistet die ASUE einen fundierten Beitrag zur energie- und klimapolitischen Diskussion in Deutschland. Zu den Mitgliedern zählen 45 Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft.